"Toraschrein" heute

Heutiger Toraschrein der Hechinger Synagoge - Foto: Manuel Werner, alle Rechte vorbehalten!
Heutiger "Toraschrein" bzw. Schrank der Hechinger Synagoge

Heute befindet sich in der Hechinger Synagoge ein provisorischer "Toraschrein" - bzw. ein Schrank - auf Rollen in der Apsis der Misrachwand.

 

In den blauen "Davidsternen" (hebr. מגן דוד, "Magen David", „Schild Davids“) sind Abbildungen der zwei Tafeln des Bundes zu sehen.

Magen David mit Tafeln des Bundes und Torakrone, Hechinger Synagoge, Foto: Manuel Werner
Magen David mit Tafeln des Bundes und Torakrone, Hechinger Synagoge

Die hebräischen Buchstaben in den Tafeln des Bundes stehen für eines der zehn "Gebote", der offenbarten Worte des Bundes auf Steintafeln.

 

Der Davidstern zeigt ein ähnliches Blau wie die prächtige Decke der Synagoge.

Toraschrein früher

Toraschrein in der Nische an der Ostwand vor 1938. - Städtisches Museum Hechingen, alle Rechte vorbehalten!
Toraschrein in der Nische an der Ostwand vor 1938.

Der Toraschrein barg den kostbarsten Besitz der jüdischen Gemeinde: die Tora-Rollen. Vor dem Schrein hängt ein bestickter Vorhang, einer von etwa 25, die die jüdische Gemeinde besessen hatte. Dieser hier ist ein von Familie Aaron gestifteter Toravorhang aus dem Jahr 1804, der für das Wochenfest verwendet wurde. Am oberen Sims des Toraschreins sehen wir einen fünfteiligen Überhang, davor hängt die beständig brennende Lampe. Auf dem Aufsatz des Schreines halten zwei Löwen wie Wappenschildhalter die beiden Tafeln des Bundes. Die hebräischen Schriftzeichen darin stehen für die Zehn "Gebote".

Auch auf dem Toravorhang sehen wir zwei Löwen, die dort aber eine Krone empor halten: die "Krone der Tora", denn in ihr finden sich zwei Buchstaben, die für "Keter Tora" (übersetzt: "Krone der Tora") stehen. Unter den Bundestafeln sehen wir einen runden Schild, der ebenfalls hebräische Schriftzeichen enthält. Die Inschrift lautet שויתי ה' לנגדי תמיד, sie wird ausgesprochen: "Schiwiti Adonai l'negdi tamid", das heißt übersetzt: "Ich habe den Herrn beständig vor mir!", Buber und Rosenzweig übertrugen diesen Satz folgendermaßen in die deutsche Sprache: "Immer halte ich mir den HERRN vor Augen".

 

Ein Toraschrein (hebräisch אֲרוֹן קֹדשׁ, Aron kodesch,  „heiliger Schrein", bzw. Aron hakodesch, "der heilige Schrein") steht an der Vorderwand jeder Synagoge, die in der Regel in Richtung des Tempelbergs in Jerusalem, also hierzulande nach Osten oder Südosten gerichtet ist (Misrach, מזרח).

 

Vor dem Toraschrein sehen wir einen Chanukka-Leuchter aus der Biedermeierzeit aus Messing mit Kerzen. Dieses und andere Fotos ließ der letzte Rabbinatsverweser Leon Schmalzbach anfertigen, da er die Zerstörung oder Beschlagnahmung dieser Kultgegenstände vorherahnte.

Toravorhänge (Parokiot)

Toravorhang, der bei einer Beschneidung angebracht war, gestiftet 1803 von Michle Kaulla. - Aus: Manuel Werner: Die Juden in Hechingen als religiöse Gemeinde. In: ZHG 20/1984, Seite: 198
Toravorhang, der bei einer Beschneidung angebracht war, gestiftet 1803 von Michle Kaulla.

Laut dem "Notizblatt der Gesellschaft für Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" aus dem Jahr 1929 hatte die Synagoge Hechingen ungefähr 25 verschiedene Toravorhänge: "Von den etwa fündzwanzig Thoravorhängen sind nur diejenigen mit Inschrift, die mehr als hundert Jahre alt sind, näher beschrieben. Der für Neujahr- und Versöhnungstag ist 130 Jahre alt, der für Laubhütten- und Ueberschreitungsfest 123 Jahre, der für das Wochenfest 125 Jahre, der für die Beschneidung 126 Jahre alt. Weitere Vorhänge sind 173, 146, 120, 117 und 115 Jahre alt."[1]

 

Der für die Beschneidung vorgesehene Vorhang ist links oben abgebildet. Auf ihn ist das Wort "Hechingen" in jiddischer Schreibweise gestickt, wie dies im Header dieser Homepage übernommen wurde. Dieser im Jahr 1803 von Michle Kaulla gestiftete Toravorhang zeigt zwischen den beiden Kelchen einen Beschneidungsstuhl, darüber die Ausrüstung eines Mohel: ein Beschneidungsmesser und ein Glasröhrchen zum Aussaugen der Wunde.

[1]Zitiert nach: Manuel Werner: Die Juden in Hechingen als religiöse Gemeinde. In: ZHG 20/1984, Seite: 149, beruhend auf dem Notizblatt der Gesellschaft für Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler Nr. 26, 1929, S. 7, Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem.

Hinweis: Beim Ausdrucken und Kopieren in andere Programme werden die hebräischen Buchstaben mitunter in ihrer Reihenfolge verstellt.

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Themen: Synagoge Hechingen, Alte Synagoge Hechingen, Geschichte der Juden in Hechingen, inhaltlich verantwortlich/Text: Manuel Werner